320 Bytes pro Person

Wie das Zentrale Ausländerregister der Schweiz Menschen in Daten verwandelte

Dr. sc. Moritz Mähr

Wie viel von einer Person passt in 320 Bytes?

Anfang der 1970er Jahre baute die Schweizer Bundesverwaltung mit dem Zentralen Ausländerregister eines der ersten grossen administrativen Datenbanksysteme der Schweiz auf.

Auf der Grundlage archivalischer Satzlayouts, Feldlisten und Systemdokumentationen rekonstruiert dieser Vortrag, wie ausländische Staatsangehörige in Datensätze fester Länge übersetzt wurden: AHV-Nummern, Namen, Geburtsdaten, Zivilstand, Bewilligungen, Einreisen, Ausreisen, Annullierungen, Codes und Validierungsfehler. Der 320-Byte-Personendatensatz eröffnet eine konkrete Geschichte des Rechnens an der Schnittstelle von Grossrechnern, magnetischer Speicherung, Verwaltungsarbeit und Migrationspolitik.

Anstatt Handbücher und Layouts als trockene technische Dokumentation zu behandeln, liest der Vortrag sie als forensische Belege: als Spuren der Regeln, Zwänge, Ämter, Sachbearbeiterinnen und Sachbearbeiter sowie Maschinen, die die Datenbank zum Funktionieren brachten. Das Ergebnis ist eine Computergeschichte der Datenverarbeitung als sozialer Infrastruktur.

Sprache / Language / Langue / Lingua: DE
Länge / Length / Durée / Durata: ?? min